Die Auftaktveranstaltung rund herum um unser Jahresthema "Wachsen" fand in Hamburg statt: mit Blick auf die Landungsbrücken, links die wachsende Hafencity mit halb fertig gebauter Elbphilharmonie, rechts der Hafen mit seinem emsigen Treiben in den Werften und Umschlagplätzen und dem florierenden Schiffsverkehr auf der Elbe – ohne Zweifel ein Blick auf viel Gewachsenes, nicht nur nach der Krise.
Dr. Herbert Stein, ehemaliger Geschäftsführer Chemikalien Boehringer Ingelheim Deutschland/Standortleitung Ingelheim, berichtete in seinem sehr authentischen Vortrag über die Wachstumsgeschichte des Familienunternehmens und sein persönliches Wachsen in dieser Zeit. Sehr anregend war der Impuls, dass auch ein klares Nein wichtig sein kann, um Wachsen zu ermöglichen. Beispielsweise im Rahmen der Entwicklung eines neuen Medikamentes, für das andere Entwicklungen gestoppt werden müssen, damit es finanzierbar zur Endreife gelangen kann.
Dr. Thomas Ihde-Scholl, Chefarzt beim pdi Psychiatrischer Dienst Interlaken, sprach in seinem ebenfalls sehr berührenden Vortrag über persönliches Wachsen. Sein These: Psychosoziales Wachstum ist fast immer nicht-linear, nicht-logarithmisch, sondern eher sprunghaft, unstet, metamorphorisch. Am Ende des Tages, so sein Resümee, ginge es um „Pleasant, good and meaningful life“ und learned optimism. Letzteres meint ein dynamisches, das Leben durchdringende Gefühl von Zuversicht und Zutrauen, das es uns leicht(er) macht, Wachstumsimpulse richtig zu verstehen und zu verarbeiten.
Unsere zweite Veranstaltung zum Thema Wachsen fand in Zürich statt, hoch oben auf dem Zürichberg mit Blick auf das sonnige Unterland. Frau Prof. Dr. Unger sprach über die ökonomische Perspektive des Wachsens (siehe unten, Veranstaltung Wien) und Martin Hillebrand, geschäftsführender Gesellschafter von Königswieser & Network, gab einen Überblick über das bisherige Substrat zum Thema Wachsen, das sich nach einem dreiviertel Jahr Beschäftigung mit dem Thema, Diskussionen mit den unterschiedlichsten Gesprächspartnern, aus Vorträgen, aus Artikeln des Journals „Wachsen“ von Königswieser und Network gebildet hatte. Sein Resümee: Wachsen scheint aus organisationaler Sicht ein Muss zu sein, denn ohne Wachstumsgeschichte ist es schwierig, Mitarbeitern und Aktionären eine Geschichte zu vermitteln. Doch können wir es uns aus der ökologischen Perspektive überhaupt noch erlauben, zu wachsen? Und: Wie können wir selbst persönlich wachsen, wohin und zu welchem Zweck? Geht es uns beim persönlichen Wachsen darum, glücklich zu sein? Die Teilnehmer diskutierten diese sehr existenziellen Fragen lebhaft.
Auf der Veranstaltung Wachsen in Wien gab Frau Prof. Dr. Brigitte Unger von der Utrecht University School of Economics einen scharfsinnigen Überblick über die ökonomischen Aspekte des Themas. Im Fokus: Die Entwicklung von Einkommen, Arbeitsproduktivität und das Auseinanderwachsen von Real- und Finanzkapital. Mit Blick auf die aktuell sehr kritische Lage am Finanzmarkt verwies Frau Unger auf die Steuerungsverantwortung der EU und betonte die massiv negativen Auswirkungen des spekulativen Handels mit Staatsschulden auf das Wachsen von Individuum und Gesellschaft.
Die Diskussionen der Workshops über die vielfältigen Anregungen der Referenten war intensiv und wir erlebten die Teilnehmer in einer persönlichen Art sehr berührt, den Austausch genießend. Wir freuen uns die positive Resonanz der Veranstaltungen in Hamburg, Zürich und Wien.